Geschichte des Hauses

Nach Erwerb des Geländes des ehemaligen Sportpalastes an der Potsdamer und Pallasstraße zuzüglich anliegender Grundstücke in der Winterfeldtstraße durch die Klingbeil-Gruppe im Jahre 1972 wurde das heutige Pallasseum unter der damaligen Bezeichnung 'Wohnen am Kleistpark' zwischen 1973 und 1976 unter der Leitung des in Berlin arbeitenden Architekten Jürgen Sawade erbaut. Das Grundstück in seiner Gesamtgröße von ca. 16.000 m² erstreckt sich entlang der Potsdamer Straße (Hausnummern 170 a+b und 172 a-d), reicht hinein in die Pallasstraße (Hausnummern 1-6, 6a und 28) und überspannt diese und den auf der anderen Straßenseite gelegenen Hochbunker mit seiner südlichsten Ausdehnung in den Heinrich-von-Kleist-Park.


Die Eigentümergesellschaft Pallasseum Wohnbauten KG verwaltet insgesamt 514 Ein- bis Vier-Zimmerwohnungen und 16 Gewerbeeinheiten. Das Gebäude, das auf bis zu 15 Etagen ca. 36.000 m² Wohnfläche und 1.000 m² Gewerbefläche umfaßt, ist im Moment (Stand 2012) mit ca. 2.000 Bewohnern vollständig belegt. Die Mieterstruktur ist mit Bewohnern aus rund 25 verschiedenen Nationen bunt gemischt. Es kommen hier Menschen unterschiedlichster Religionen, Kulturen und Einkommensschichten zusammen. Arbeiter und Künstler, Studenten und Rentner, Architekten und Sozialhilfeempfänger – geschätzte 40% der Mieterschaft erhält zum Teil staatliche Transferleistungen – leben alle unter einem Dach.


Zu Ende der 1970er Jahre galt die moderne Wohnanlage als zukunftsweisende Alternative zum umliegenden Altbauwohnbestand West-Berlins. Jedoch sorgten ungünstige administrative Faktoren der unter den Vorgaben des öffentlich geförderten sozialen Wohnungsbaus stehenden Wohnanlage zunehmend für Probleme. So bewirkte das vom Bezirksamt Schöneberg ausgeübte Besetzungsrecht Fehlentwicklungen in der Mieterstruktur und die sogenannte Fehlbelegungsabgabe die Abwanderung potenter Mieter. Unzureichende Investitionen in das hausinterne Miteinander verursachten eine schleichende Abwertung der Anlage nicht nur im Innern, sondern vor allem auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Ende der 1990er Jahre war das Pallasseum – damals im Volksmund herabwürdigend 'Sozialpalast' genannt – nach zunehmenden Übergriffen durch Drogendealer, Vandalen und Kakerlaken sogar von einem von politischer Seite lancierten Abriss bedroht. Zum 01.04.1998 standen von den 514 vorhandenen Wohnungen bereits 136 leer, Tendenz steigend.


Erst als sich 1998 auf Initiative des Geschäftsführers der Pallasseum Wohnbauten KG, Dipl. Kfm. Klaus-Peter Fritsch, ein neues Verwaltungskonzept durchsetzen ließ, führten eigenständige Entscheidungsmöglichkeiten bei der Gestaltung der Mieterstruktur und Maßnahmen zur Steigerung der Wohnqualität zu einer kontinuierlichen Besserung der Lage. Eine wesentlicher Schritt war zunächst die zum 01.01.1999 inkraft tretende Senkung der Mietkosten pro Quadratmeter um ca. 1,53 €. In den Folgejahren gelang es außerdem, den maroden Zustand des Gebäudes durch grundlegende Sanierungen und Renovierungen im Umfang von insgesamt ca. 6,5 Mio. € – u.a. Erneuerung von Eingängen und Aufzügen, Installation neuer Einbauküchen und einer transparenten Treppenhausverglasung, etc. – zu optimieren. Diese tiefgreifende Neugestaltung des Wohnumfelds wurde von Buddensieg Ockert Architekten (http://www.boa-architekten.de/) in den Jahren bis 2003 geplant und durchgeführt. In der Folge wurde zudem eine eigene Handwerkerabteilung aufgebaut, damit Mängel schnell und kostengünstig beseitigt werden konnten. 


Das Quartiersmanagement wurde im Pallasseum mietfrei untergebracht und bemüht sich seither in Zusammenarbeit mit der Pallasseum Wohnbauten KG darum, das Leben und Wohnen im Gebäude sowie im gesamten Kiezumfeld zu verbessern. Der Appell an die Eigenverantwortlichkeit der Mieter und deren Zusammenhalt – es wurde u.a. ein Mieterbeirat gebildet – sorgte zusätzlich dafür, das sich alle für den Zustand des Gebäudes und das Wohlergehen der Bewohnerschaft einsetzen.


Um auch den Ruf des Gebäudes in der Öffentlichkeit ins Positive zu wenden, wurde im Jahr 2001 unter den Bewohnern ein Namenswettbewerb ausgelobt, nach dem die bisher eher negativ wirkende Bezeichnung 'Sozialpalast' in 'Pallasseum' geändert wurde. Der Vorschlag kam von einem 12-jährigen türkischen Mädchen und überzeugte so nachhaltig, dass sogleich auch die ursprünglich 'Wohnen am Kleistpark Klaus J. Lehmann KG' genannte Eigentümergesellschaft ihren Namen entsprechend in 'Pallasseum Wohnbauten KG' änderte.


Mitte der 2000er Jahre wurde das Gebäude allmählich zum begehrten Wohnobjekt. Die vormals noch gegen Leerstand kämpfende Wohnanlage wurde von der Presse sogar zum 'Kult-Haus' (Berliner Morgenpost, 2005) erhoben und machte durch verschiedene kulturelle Aktionen von sich reden. 2010 war nach 12 Jahren schließlich die Vollbelegung der Wohnungen erreicht; seitdem gibt es eine Warteliste für potentielle Bewerber. Bis Ende 2006 war das Pallasseum als sozialer Wohnungsbau durch die öffentliche Hand bezuschußt, seit 2007 wird es allein von den Mieteinnahmen finanziert.


Doch auch ohne die öffentlichen Gelder gelang es der Pallasseum Wohnbauten KG, eine solide Wirtschaftlichkeit der Wohnanlage zu erreichen. Heute ist die Wohnanlage Pallasseum ein funktionierendes Beispiel sozialen Wohnungsbaus in Berlin, in dem verschiedene Kulturen und Generationen friedlich und in guter Nachbarschaft zusammenleben.

    
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Aktion zur Feier der Namensänderung zu Pallasseum, 2001 (Quelle: Susanne Wolkenhauer)