Geschichte des Ortes

Der im Berliner Stadtteil Schöneberg gelegene Standort, an dem sich heute der Gebäudekomplex des Pallasseums befindet, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein mit kleinen Stadtvillen bebautes Gelände entlang der Potsdamer Straße. In der Villa mit der Hausnummer 72 lebte im 19. Jahrhundert der bekannte Architekt und Mathematiker August Crelle. Der ca. 45 Meter breite und fast 200 Meter tiefe Abschnitt zwischen der Pallas- und Winterfeldtstraße war unweit des für die damalige Zeit verkehrstechnisch zentralen und überaus belebten Potsdamer Platzes gelegen.



Im Jahr 1909 wurde das Gelände von der 'Internationalen Sportpalast und Wintervelodrom-Gesellschaft m.b.H.' erworben, die dort durch den Architekten Hermann Dernburg – der  bereits für mehrere Berliner Sportbauten verantwortlich zeichnete – im Jahr 1910 den Berliner Sportpalast errichten ließ. Nach seiner Eröffnung am 17. November 1910 zunächst hauptsächlich als Eislaufbahn benutzt, wurde die Halle schnell auch für andere Sportarten angepaßt, um dem steigenden Konkurrenzdruck anderer ähnlicher Veranstaltungsorte in Berlin zu begegnen: es gab in der Folge Radrennen, Boxen, Ringen, Reiten, etc. zu bestaunen. National und international bekannte Stars der Sportszene wie Max Schmeling, Sonja 'Häseken' Henie, u.v.a. feierten hier Erfolge vor dem zur damaligen Zeit größtmöglichen Publikum in einer überdachten Halle (je nach Veranstaltung kamen bis zu 10.000 Besucher).



Die bevorzugte Lage und die idealen Bedingungen, eine große Zuhörerschaft zu erreichen, ließen den Sportpalast bald auch für politische Veranstaltungen interessant werden. Vor allem die Nationalsozialisten nutzten das Gebäude zunehmend als Versammlungsort. Nach der Machtergreifung fanden hier regelmäßig Parteitreffen und -ansprachen statt, u.a. die bekannte Rede vom 'Totalen Krieg' des Reichspropagandaministers Goebbels im Februar 1943.



Nach weitreichenden Zerstörungen des Sportpalast bei einem Bombenangriff 1945 diente das Gebäude ab 1951 dann wieder zivileren Nutzungen. Hochkarätige Sportveranstaltungen (z.B. 6-Tage-Rennen, Holiday on Ice) und Musikkonzerte (mit prominenten Stars wie Bill Haley, Pink Floyd, Louis Armstrong oder Jimi Hendrix, Ella Fitzgerald, etc.) prägten das Bild bis zum Abriß, der aufgrund des nicht länger profitablen Betriebs 1973 erfolgte.

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Sportpalast, 1948: Aussenansicht mit Kriegszerstörungen (Quelle: Arenhövel, Alfons: Arena der Leidenschaften. Der Berliner Sportpalast und seine Veranstaltungen 1910-1973; Berlin 1990, S. 421)

Sportpalast, 1973: Aussenansicht von Osten (Quelle: Arenhövel, Alfons: Arena der Leidenschaften. Der Berliner Sportpalast und seine Veranstaltungen 1910-1973; Berlin 1990, S. 6)


Im II. Weltkrieg wurde in der Pallasstrasse ein Hochbunker für das hinter dem Komplex gelegene Fernmeldeamt 1 der Deutschen Post errichtet, der nie vollendet und vollständig genutzt wurde. Nach dem Krieg konnte er aufgrund der Wohnumbauung nicht gesprengt werden und ist heute Teil des Ensembles und unter Führung  (http://berliner-unterwelten.de/) begehbar.

    
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Sportpalast, 1911: Innenansicht Große Halle (Quelle: Arenhövel, Alfons: Arena der Leidenschaften. Der Berliner Sportpalast und seine Veranstaltungen 1910-1973; Berlin 1990, S. 8)

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Der Boxer Max Schmeling, 1930 (Quelle: Arenhövel, Alfons: Arena der Leidenschaften. Der Berliner Sportpalast und seine Veranstaltungen 1910-1973; Berlin 1990, S. 85)

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Wahlversammlung der NSDAP (Quelle: Bundesarchiv)






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Gedenktafel für den ehemaligen Sportpalast, Potsdamer Str. 172 (Quelle: Wikipedia)